- Ein Rückblick auf drei tolle Tage -

von Roland "Tiger" Blatt



Der allergrößte Dank gilt selbstverständlich unserem Crewkameraden Andreas Noack, der alles so super organisiert und seiner Frau Gisela, die ihn dabei unterstützt hat. Aber auch allen anderen Teilnehmern sei gedankt, denn nur durch deren Anwesenheit und Mitwirken konnte das Crewtreffen zu dem großen Erfolg werden, der es war.

So sei es gestattet, alle Teilnehmer beim Namen zu nennen - "ich lasse Dienstgrade weg": Uli Banasch, Heide & Rolf Bastrop, Gisela & Roland "Tiger" Blatt, Helga & Robert Bluhm, Marion & Reinhold Burger, Regina & Herbert Dilchert, Insea & Wilhelm "Watussi" Eggert, Margot & Ralf Gissel, Klaus-Peter Hirtz, Harald Hochgräfe, Angelika & Jochen Kossmann, Roland Malfeld, Ingrid & Reiner Mecklenburg, Wolf-Kersten Meinecke, Gisela & Andreas Noack, Heike & Hans-Georg Pauli, Anke & Hubert Paulus, Ulli Rode, Hans-Peter Luckhaus, Gabriele & Frank Ropers, Brigitte & Wolf-Dieter Schröter, Sharon & Georg Schul, Klaus Seeliger, Gerd Sommerkamp, Anne & Hans-Christian Spetzler, Elgin & Friedrich "Fritz" Steuber, Olga & Rainer Succo, Rita & Richard Thumerer, Giovanna & Helmut Zacher, Wolfgang "Ignaz" Zietemann und - last but not least und aus gesundheitlichen Gründen nur am ersten Abend - Uwe Peters.

Donnerstag, 31. Juli 2014
Am schwülwarmen Nachmittag dieses Tages trudeln die ersten Crewkameraden und Crewschwestern der Crew IV/ 66 ein auf der schattigen Terrasse des Ramada-Hotels am Kurpark zu Bad Soden. Kühle Getränke sind gefragt, frisches Radeberger vom Fass, aber auch das Sommergetränk im Frankfurter Raum, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut: Sauer gespritzter Äppelwoi, erfrischend und durstlöschend.

Bis 1700 Uhr sind so ziemlich alle eingetroffen, die angemeldet sind, so wird bald danach in den Saal gebeten: Der Crew-Ghost Ulli Rode hält eine kurze Rede zur Begrüßung, dann heißt uns Andreas Noack in seinem Heimatrevier willkommen und gibt weitere Details zur Lage und Durchführung des Programms für die nächsten 3 Tage. Als er unter großem Applaus geendet hat, ergreift unser "Crewghost" Ulli erneut das Wort, eröffnet jetzt offiziell das Crewtreffen 2014, dankt Andreas und seiner Frau für die unermüdlichen Anstrengungen der Organisation, aber er erinnert auch an die Kameraden, die nicht mehr unter uns weilen können: ein Gedenken an die Toten der Crew IV/ 66.

Nach dem Abendessen mit ortsüblichen Spezialitäten trifft sich die Corona erneut draußen auf der Terrasse, wo in jetzt kühlerer Abendluft die gut eingeführten Getränke den Durst stillen und die Crewgespräche beflügeln. Ab 2200 Uhr, als die Terrasse leider wegen des "Nachtgeräuschverbots" geräumt werden muss, bietet die "Downstair Bar" noch genügend Gelegenheit, sich weiterhin auszutauschen.

Freitag, 1. August 2014
Das zuvor eingenommene üppige Frühstück hat die Kräfte gegeben, die jetzt gebraucht werden: Zu Fuß durch den Kurpark und unter kundiger Führung des Organisators Andreas gelangen wir zum Bad Sodener Bahnhof, wo die S-Bahn nach Frankfurt-Hauptbahnhof genommen wird. Dort erwarten uns bereits Frau Dolce und ihre Kollegin von der gecharterten Event-Agentur, um uns in den kommenden zwei Tagen Frankfurt und Umgebung näher zu bringen. Nach deren gleich zu Anfang geäußerten Meinung ist natürlich jeder von uns schon einmal in der "Hauptstadt des Äppelwois" gewesen, doch meist nur "tangential" - nämlich nur am Flughafen, im Hauptbahnhof und vielleicht auch noch im Zoo, aber die Stadt Frankfurt am Main selbst sei doch sicher bei den meisten von uns nichts anderes als eine "Terra incognita". Wie wahr, wie wahr ...

Übrigens: Der Name "Frankfurt" leitet sich in der Tat ab von dem Begriff einer "Furt der Franken über den Main", die in weitem Bereich bis zum ersten Brückenbau der einzige Übergang über den Fluss war. Und der Name vom gegenüberliegenden Stadtteil Sachsenhausen rührt her von der historisch belegten Tatsache, dass Kaiser Karl der Große im über 30 Jahre währenden Krieg gegen die Sachsen, um der immer wieder aufflammenden Aufstände Herr zu werden, Angehörige dieses Stammes nach dorthin und auch nach vielen anderen Plätzen hatte umsiedeln lassen.

Der erste Weg unter der Führung von Frau Dolce führt uns zur "Hauptwache", die tatsächlich mal die Hauptdienststelle der Frankfurter Stadtpolizei war, doch seit über 100 Jahren bereits als berühmtes Gasthaus geführt wird. Von dort wandert der Blick weiter auf diverse Gebäude von Interesse, besonders auf jenes, dessen schwarze Glasfront den Eindruck erweckt, von einem Kleinflugzeug gerammt worden zu sein. Hier hat man ganz spielerisch "New York 9/11" vorweg genommen, lange bevor es dort traurige Realität wurde. Aber, wie wir hören - es handelt sich bei diesem Geschäftshaus in der "Zeil" nur und ganz schlicht um ... "Kunst am Bau".

Nach einem kurzen Besuch der spätmittelalterlichen Liebfrauenkirche führt uns der Weg durch die Gassen der "Altstadt", deren enger und abwechslungs-reicher Wiederaufbau nach der kompletten Zerstörung im Krieg wenigstens den Eindruck von Originalität und Ursprünglichkeit vermitteln soll, zum "Römer", dem alten Rathaus der einstmals mächtigen Freien Reichsstadt. Hier, im Kaisersaal dieses Gebäude-Ensembles, das eigentlich aus drei Häusern besteht, streift uns der Hauch der Geschichte: Alle deutschen Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation", die jemals Szepter und Reichsapfel in Händen gehabt haben, blicken auf uns herab. Viele Jahrhunderte lang wurden nämlich in diesem Saal die Könige und Kaiser gewählt und zuletzt auch gekrönt, streng nach den Regeln der "Goldenen Bulle" von 1362, deren Kopie in einer gläsernen Schatulle ausliegt. Und wenn die Größen des Reiches danach drinnen zum Festmahl schritten, feierte das Volk dieses Ereignis draußen auf dem Marktplatz des Römerberges - drei Tage lang und kostenfrei.

Weiter geht der Weg zur Mainbrücke "Eiserner Steg", und wir genießen die Aussicht nach beiden Seiten, zur Linken auf die Hochhäuser von "Mainhattan" - und zur Rechten auf "den Turm", einen adeligen Wohnturm aus frühmittelalterlicher Zeit, offensichtlich das älteste noch genutzte Gebäude der Stadt und ca. 1200 Jahre alt. Bei dessen Besichtigung wird uns an Hand von Reliefs das Ausmaß der Zerstörung Frankfurts im 2.Weltkrieg vorgeführt: Das ehemals größte zusammenhängende Fachwerkhausgebiet in Deutschland, das allerdings bereits stark renovierungsbedürftig war, fiel 1944 fast komplett dem von Fliegerbomben erzeugten Feuersturm zum Opfer, nur wenige steinerne Gebäude - meist stark beschädigt - wurden gerettet.

Danach: Mittägliche Verlustierung zur Regeneration auf dem mit einem historischen Brunnen geschmückten Liebfrauenberg. Unter freiem Himmel, aber unter dem Schutz großflächiger Sonnenschirme genießen wir diese Rast, es wird gegessen und getrunken. Zu letzterem stehen Mineralwasser, Bier und natürlich "Äppelwoi" in verschiedenen Varianten bereit. Mit frischen Kräften geht es weiter zum Goethe Denkmal, denn der deutsche Dichterfürst ist ein Kind dieser Stadt - er wurde im Jahre 1749 hier in Frankfurt am Main geboren.

Vom Goethe-Platz ist es nur ein kurzer Weg nach "Mainhattan": Hier werfen wir einen Blick in das Hochhaus der Commerzbank, dann erklimmen wir im Turbo-Fahrstuhl den ca. 240 Meter hohen Maintower, der immerhin das viert höchste Gebäude Deutschlands ist. Von dort oben genießen wir den grandiosen Rundblick auf Stadt und Umgebung, bevor wir uns erneut zu einem weiteren geschichtsträchtigen Ort begeben - zur Paulskirche.

Auch dieser klassizistische Rundbau aus den Jahren um 1800 war vom Feuersturm im Jahre 1944 nicht verschont geblieben. Doch schon vier Jahre später als "Haus der Deutschen" wieder aufgebaut, wird diese ehemalige Kirche heute als "Wiege den Demokratie in Deutschland" bezeichnet. Dennoch wirkt dessen nun modern eingerichteter, mit den Fahnen aller deutschen Bundesländer geschmückter Sitzungssaal etwas kahl und nüchtern, während das 32 Meter lange und 3 Meter hohe und in vieler Hinsicht kolossale Rundgemälde des Malers Grützke im Foyer sogar überwiegend Ablehnung erfährt. "Grützke" ist halt nicht jedermanns Sache.

Für den historisch Interessierten: Berühmt wurde die Paulskirche als Tagungsort der Deutschen Nationalversammlung von 1848 bis 1849. Dieses erste frei gewählte deutsche Parlament betrieb erstmals die Demokratie auf deutschem Boden, es erstrebte über eine Reichsverfassung den Zusammenschluss aller deutschen Staaten des "Deutschen Bundes" zu einem "Deutschen Reich". Als eine "großdeutsche" Lösung unter Einschluss von Österreich gescheitert war, favorisierte die Nationalversammlung nun die "kleindeutsche Lösung", in deren Folge dem preußischen König die Kaiserkrone angeboten wurde. Dieser lehnte jedoch ab, und so sollten noch 22 Jahre und ein bitterer "Deutscher Krieg" vergehen, bis es der Politik Bismarcks gelang, 38 der ehemals 41 deutschen Einzelstaaten zu vereinen.

Das Bildungsprogramm dieses Tages schließt mit dem "Städel Museum" am Sachsenhausener Ufer des Mains, benannt nach dem Frankfurter Bankier und Mäzen Städel. Hier imponieren mir besonders die "Venus" von Lucas Cranach, aber auch die großformatigen Bildnisse von Luther und Melanchthon, sowie das noch großflächigere Gemälde "Goethe in Italien". Die ebenfalls gezeigte Malerei von Beckmann und anderen Künstlern der Moderne finden jedoch speziell bei mir weniger Interesse, doch andere mögen begeistert sein.

Danach sind wir endlich, wegen der feuchten Hitze dieses Tages von vielen sehnlichst erwartet, zu Gast im Äppelwoi-Garten "Wagner", wo neben den Speisen das Getränk des Abends gereicht wird: Apfelwein, der in großen Bembeln auf die Tische kommt und nach Wunsch und Laune mit Mineralwasser verdünnt wird. Der abendliche Ausklang findet jedoch wieder auf der nun angenehm temperierten Hotelterrasse statt, bis wir ab 2200 Uhr einen Stellungswechsel in die gut sortierte Bar des Hauses vornehmen.

Samstag, 2. August 2014
10.00 Uhr: Der Bus nach Rüdesheim wird geentert. Der obligatorische Fußmarsch führt uns dort die Drosselgasse hoch und - wie sollte es auch anders sein! - die Amselstraße wieder hinunter, und endet letztlich am Schiffsanleger, wo uns bald schon ein Dampfer an Bord nimmt. Vom Oberdeck aus erleben wir eine Flusskreuzfahrt den Rhein hinab bei etwas bedecktem Wetter und erfrischender Brise. Vorbei an Bingen mit der Nahemündung, der freie Blick fällt auf das Niederwalddenkmal und auf die Weinanbauflächen des eher flachen Rheingaus, etwas später dann auch auf die der sehr steilen Hanglagen des engen Rheintals. Wir blicken auf Burgen und Schlösser, die zwar malerisch auf felsigen Bergspitzen thronen, doch meist nur - als Folge früherer kriegerischer Auseinandersetzung mit den Franzosen - als Ruinen oder in Teilwiederherstellung imponieren - und so zum Sehnsuchtsort der deutschen Romantik des 19. Jahrhunderts wurden.

In St. Goarshausen legt der Dampfer an, das nächste Ziel ist nun das mächtige, 38 Meter hohe "Niederwald Denkmal", das an die Einigung Deutschlands im Jahre 1871 erinnern soll. Der Blick geht hinab zum weiten Tal des Rheins, dann hinauf zur 12,50 Meter großen Germania, deren Gesichtszüge merkwürdigerweise eine gewisse Ähnlichkeit mit denen der Frau unseres Crewkameraden Schröter hat. Und tatsächlich: Einer ihrer Vorfahren war der Erbauer, der das Gesicht seiner Tochter, der späteren Urgroßmutter unserer Crewschwester, zum Vorbild genommen hatte. Was für eine höchst interessante Story!

Weiter geht es nach "Schloss Vollrads", das vormals der Familie Graf Greifenklau gehörte, bevor es in die Hände der Nassauischen Sparkasse fiel. Leider konnte unser Crewkamerad Roland Malfeld, einst Banker dieses Geldhauses, den alten Kollegen und Chef dieses renommierten Weingutes nicht zu einer Vorzugsbehandlung der Crew IV/66 bewegen "man weilt gerade in Japan". Dennoch - alles sehr schön, und besonders gut schmeckt der berühmte Sommerwein, dem wir so ausgedehnt zusprechen, dass ein geplanter Fußmarsch durch die Weinberge des Rheingaus ausfallen muss. Kein Nachteil, bei dieser schwülen Hitze!

Nicht weit entfernt liegt Kloster Eberbach - hier wandeln wir durch tausendjährige Kreuzgänge, wo vor nicht allzu langer Zeit Sean Connery einher schritt als Mönch und Detektiv während der Dreharbeiten zum Film "Im Namen der Rose", der überwiegend hier entstand. Und wer bisher noch nicht wusste, dass Wein nicht ausschließlich bei Aldi und Lidl wächst, der wird nun im dunklen Keller eines besseren belehrt: Uralte Weinfässer in meterhoher Ausführung und original erhaltene Weinpressen aus mehreren Jahrhunderten zeugen von der hohen Kunst der Weinherstellung im einstmals so mächtigen und weithin berühmten Kloster Eberbach.

Die Fahrt geht nun direkt zum Weingut "Magdalenenhof", wo uns die abendliche Nahrungsaufnahme im Garten erwartet. Nach Stunden eines höchst vergnüglichen Zusammenseins bei Speis' und Trank sitzen wir wieder im Bus. Und genau hier hat Crewkamerad Hochgräfe den großen Auftritt: Unter seiner pädagogischen Leitung lassen wir es endlich wieder maritim werden, was im Klartext heißt: Wir Crewkameraden der Crew IV/66 erfreuen uns, unsere Ehefrauen, die uns führende Dame, sowie den Fahrer des Busses mit den alten Liedern, die wir vor über vier Jahrzehnten auf dem Mitteldeck der GORCH FOCK gesungen haben. Der Ausklang des Tages gestaltet sich wie zuvor, nur diesmal an der Bar etwas länger und ausgiebiger, da es der letzte Abend ist.

Sonntag, 3. August 2014
Beim erneut ausgiebigen Frühstück werden wir diesmal von einem "hochgräflichen" Geschenk überrascht, als eben jener pädagogisch geschulte Crewkamerad an jeden Teilnehmer eine Gabe von Zimt und Pfeffer aus eigenem Anbau auf Sri Lanka überreicht. Mit dieser schönen Geste, einem letzten (kleinen) Bier auf der Terrasse und der in Crew-Kreisen gewohnt herzlichen Verab-schiedung geht dieses schöne, sehr gelungene und hoch interessante, doch wegen der viel zu guten Wetterlage auch ziemlich anstrengende Crew-Treffen der Crew IV/ 66 zu Ende. Und der besondere Dank des Autors und aller anderen Beteiligten galt und gilt auch jetzt noch dem unermüdlichen Crewkameraden Noack, der alles so umsichtig und perfekt organisiert hat. Danke, Andreas! Roland "Tiger" Blatt

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